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Der Heilige Geist in der Bibel

09.05.2018News

Neben Gott-Vater und Christus ist der Heilige Geist die dritte „Person“ der göttlichen Dreifaltigkeit. Ein schwieriges theologisches Gebilde, das die Frage nahe legt: Was sagt die Bibel eigentlich über den Heiligen Geist?

Pfingstfenster in der Johanniskirche Dessau

©epd-Bild/Rainer Oettel

Pfingstfenster von Wilhelm Gerhard (1955) in der Johanniskirche Dessau (Ausschnitt).

Der Geist in der Taube

Jesus lässt sich vom Bußprediger Johannes im Jordan taufen. Nach dem Taufakt sah Jesus den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabfahren und über sich kommen. Dass die Bibel den Geist mit einem Vogel symbolisiert, hat eine lange Tradition. In vielen Kulturen und Religionen herrscht die Vorstellung, die Seele verbinde sich mit einem Vogel. Die sanftmütige und friedfertige Taube ist auch in der Kunstgeschichte immer wieder Trägerin und Zeichen des Heiligen Geistes. Als „Friedenstaube“ erfuhr sie in der Friedensbewegung große Symbolkraft.

Zitat: „Er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren.“ (Matthäus 3,13-17)

Wer führt in Versuchung?

„Und führe uns nicht in Versuchung“: Diese Bitte des Vaterunsers ist umstritten. Ist es nicht der Teufel, der die Menschen versucht? Müsste folglich Gott nicht gebeten werden, durch die Versuchung zu führen? Dieser spannende theologische Streitfall erhält durch eine Beobachtung in den Evangelien einen wichtigen Impuls. Nach seiner Taufe im Jordan begibt sich Jesus in die Wüste, wo er vom Teufel versucht wird. In diese Versuchungssituation führt ihn niemand anders als der Heilige Geist.

Zitat: „Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt, damit er von dem Teufel versucht würde.“ (Matthäus 4,1)

Wunderwaffe gegen Dämonen   

Mehrmals befreit Jesus Menschen von Dämonen und „bösen Geistern“ und heilt Besessene. Die Schriftgelehrten seiner Zeit meinen, ihn deswegen diffamieren zu können. Sie behaupten, Jesus lasse sich von Beelzebub, dem obersten Teufelsfürsten, dabei helfen. Jesus kontert gelassen diesen absurden Vorwurf und erklärt, der Heilige Geist bewirke die Exorzismen. Jede Befreiung von bösen Mächten sei ein Zeichen dafür, dass das Reich Gottes schon mitten unter den Menschen sei.

Zitat: „Wenn ich aber die bösen Geister durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen.“ (Matthäus 12,28)

Lästern verboten!

Jesus kann auch gnadenlos sein. Eine einzige Sünde gibt es seiner Aussage nach, die absolut unverzeihlich ist und die nie und nimmer vergeben wird: Wer über den Heiligen Geist lästert,  wird an dieser Sünde ewig zu tragen haben.

Zitat: „Wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit.“ (Markus 3,28f.)

Das Pfingstwunder

Neben der Taube ist die Zunge ein biblisches Symbol für den Heiligen Geist. Als sich die Jünger Jesu nach dessen Himmelfahrt in Jerusalem versammeln, hören sie ein merkwürdiges himmlisches Brausen. Daraufhin setzt sich auf jeden der Jünger eine von Feuer zerteilte Zunge. Der Heilige Geist erfüllt die Gläubigen; sie beginnen, in für sie fremden Sprachen zu predigen. Diese Sprache verstehen sogar die umstehenden Ausländer – Perser, Meder, Römer, Ägypter. Petrus erklärt ihnen, dass dieses „Pfingstwunder“ schon Jahrhunderte zuvor vom Propheten Joel angekündigt wurde: „Es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch.“  (Joel 3,1)

Zitat: „Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist.“ (Apostelgeschichte 2,1-4)

Taufe im Namen des Heiligen Geistes

Mit einem „Missionsbefehl“ endet das Matthäusevangelium. Darin beauftragt der auferstandene Jesus seine Nachfolger, „alle Völker“ zu Jüngern zu machen, sie zu lehren und  zu taufen „auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Diese sogenannte Taufformel wird bis heute in den christlichen Kirchen gesprochen. Der Evangelist Lukas betont ergänzend, dass der Heilige Geist auch unabhängig auf Menschen ausgegossen werden kann – zum Beispiel bei einer Predigt.

Zitat: „Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Matthäus 28,19); weitere Bibelstelle Apostelgeschichte 10,44-48

Charismen – die Gaben des Geistes

Der Geist macht nicht nur den einzelnen Gläubigen lebendig, sondern die ganze christliche Gemeinde. Zu den Geistesgaben („Charismen“) gehören unter anderem die Fähigkeit der  Heilung, der Unterscheidung, der Wundertätigkeit und der prophetischen Rede. Denkt man diese Lehre des Apostels Paulus weiter, kann jede menschliche Fähigkeit eine Geistesgabe und der Gemeinde dienlich sein. Bestenfalls entsteht so eine lebendige Gemeinde, in der sich viele Gaben ergänzen. Gekrönt werden die Charismen Paulus zufolge von der Liebe. Im Brief an Galater (5,22f.) nennt Paulus auch „Früchte des Geistes“: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue“.

Zitat: „Bemüht euch um die Gaben des Geistes.“ (1. Korinther 12, 1-4)

Uwe Birnstein

Info: Das hebräische Wort für Geist bedeutet ursprünglich „Wind“ oder „Hauch". Ein schönes Bild: Der Geist Gottes umweht die Menschen und befähigt sie, dem Leben dienliche Dinge zu tun. Dass der Heilige Geist ein Wesen Gottes ist, gehört seit dem 4. Jahrhundert zum Glaubensbekenntnis aller christlichen Kirchen.

Zum Weiterlesen:
Udo Hahn: Heiliger Geist, Reihe Grundbegriffe Christentum, Gütersloh 2001

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