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Friedensbewegung: Ein Kreuz mit bewegter Geschichte

Ehrenamtliche haben das Holzkreuz von Koblenz nach Bonn transportiert.Ehrenamtliche haben das Holzkreuz von Koblenz nach Bonn transportiert.

Friedensbewegung

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Es ist 4,50m lang und 1,50m breit – das Holzkreuz, das eine Gruppe Ehrenamtlicher des Jugendhauses am Moselring in Koblenz im Bonner „Haus der Geschichte“  abgegeben hat. Das große Kreuz hat eine bewegte Vergangenheit. Es ist eines von 96 Kreuzen, die als Mahnmale von der Friedensbewegung Mitte der 80er-Jahre im Hunsrück aufgestellt wurden.

Über viele Jahre waren die Kreuze ein stummer Protest gegen die Nachrüstung im Zuge der Umsetzung des NATO-Doppelbeschlusses im Hunsrück. Jedes der 96 Kreuze stand, unweit des Beller Bahnhofs, dabei für eine von 96 atomaren Marschflugkörpern, die in der benachbarten Raketenbasis „Pydna“ stationiert wurden. Rasch wurden sie zu einem Sinnbild des Hunsrücker Protestes gegen die Nachrüstung.

18 mal zerstört, 18 mal wieder aufgerichtet

Doch für viele wurden diese Kreuze auch zum Ärgernis. Insgesamt 18 mal wurden sie herausgerissen, umgesägt oder zerstört und 18 mal von der Friedensbewegung auch wieder aufgerichtet. Viele Menschen aus dem Hunsrück, aber auch Gruppen oder Verbände aus ganz Deutschland übernahmen Patenschaften für ein Kreuz, so auch das Jugendhaus.

Im Vorfeld einer Großdemonstration am 11. Oktober 1986 wurden unter dem Motto „Eure Kreuze werden unser Kreuz“ den beteiligten Friedensgruppen die Möglichkeit gegeben, ein Kreuz vom Friedensacker mit in ihre Gemeinde zu nehmen, um sich so mit dem Protest im Hunsrück zu solidarisieren. Durch diese Patenschaften wurde die Botschaft aus dem Hunsrück von Raketen, Protest und Widerstand in viele Gemeinden in Deutschland gebracht.

"Das Kreuz hatte für uns einen hohen ideellen Wert"

Das von der Evangelischen Jugend mit nach Koblenz gebrachte Kreuz hatte über all die Jahre einen festen Platz im Jugendhaus am Moselring und wird auch jetzt einen festen Platz im „Haus der Geschichte“ bekommen. Es wird Teil der neuen Sonderausstellung „Die Angst im kalten Krieg“, die im September eröffnet wird.

„Das Kreuz hatte für uns im Jugendhaus immer einen hohen ideellen Wert. Wir haben es damals in Friedensgottesdiensten, bei Veranstaltungen der Friedenswoche, bei den Kreuzwegen der Jugend eingesetzt und oft die Geschichte des Kreuzes erzählt“, erklärt Christoph Beckmann vom Jugendhaus am Moselring. Die Auseinandersetzung  mit dem Thema „Frieden“ heute aktueller denn je. „Wir sehen uns als Evangelische Jugend in der Tradition des ,Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung‘ und wollen somit für den Frieden aktiv eintreten. Kriege und Konflikte haben die Namen geändert, aber ihre schrecklichen Gesichter bleiben gleich.

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ekir.de / vis, Foto: Jugendhaus am Moselring / 03.04.2018


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