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Radwegekirchen: Wasser, Flickzeug und Gebet

RadwegekircheDie rund tausend Jahre alte Martinskirche in Meddersheim liegt direkt am Nahe-Radweg.

Radwegekirchen

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Dorfkirche in DörrenbachDorfkirche in Dörrenbach

„Der Saarlandradweg läuft direkt an unserer Kirche vorbei. Da bietet es sich an, sie für Besucher offen zu halten“, sagt Pfarrer Marcus Bremges von der evangelischen Kirchengemeinde Dörrenbach bei St. Wendel. Die Dorfkirche mit dem markanten Turm aus dem 13. Jahrhundert und einer sehenswerten Renaissance-Kanzel trägt seit zwei Jahren das grüne Signet für Radwegekirchen, das die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) seit 2009 vergibt. Touristen finden hier einen Ort der Ruhe und Entspannung.

Auch praktische Hilfen liegen in der Kirche bereit: Eine Infomappe gibt Hinweise, wo man im Dorf Lebensmittel kaufen oder essen gehen kann und wo sich der nächste Fahrradladen befindet. Und wer seine Wasserflasche füllen will, zur Toilette muss oder Flickzeug fürs Rad benötigt, „kann gerne bei mir im Pfarrhaus nebenan klingeln“, sagt Bremges. Die Gemeinde hat auch extra einen Kerzenständer anfertigen lassen für Opferlichter. Der werde immer wieder von Besuchern genutzt.

Bibelgarten der Margarethenkirche in St. Wendel-NiederkirchenBibelgarten der Margarethenkirche in St. Wendel-Niederkirchen

Nur wenige Kilometer weiter führt der Saarlandradweg zu einem anderen sehenswerten Gotteshaus: Die protestantische Margarethenkirche in St. Wendel-Niederkirchen im Ostertal ist seit 2014 Radwegekirche und das ganze Jahr über täglich geöffnet. Sie gilt als eine der besterhaltenen gotischen Dorfkirchen im Saarland.

Hier hängen auch die ältesten Glocken des Landes aus dem Jahr 1414. Ein besonderer Anziehungspunkt ist der biblisch-christliche Garten bei der Kirche, berichtet der Niederkirchener Pfarrer Stefan Werner. „Viele Radfahrer machen an unserer Kirche halt, sehen sich Kirche und Garten an und legen auf unseren Ruhebänken eine Pause ein, bevor es dann weitergeht.“

„Die Menschen sind dankbar, dass unsere Kirche offen ist“

Zur Radwegekirche wird eine Kirche, wenn sie an der Route eines Radwanderweges liegt und die Kirchengemeinde damit verbundene Aufgaben übernimmt. Die Gotteshäuser laden zur geistlichen Besinnung und Andacht ein. Daneben garantieren sie einen geeigneten Platz für die Rast, Wasser für durstige Kehlen, Flickzeug für platte Reifen, Toiletten, Informationen zur Ortsgemeinde und eine verlässliche Öffnung von Ostern bis zum Reformationstag.

„Die Menschen sind dankbar, dass unsere Kirche offen ist“, beschreibt Pfarrer Hansjörg Biegel von der Kirchengemeinde Mittlere Nahe, was er aus Gesprächen mit Radtouristen erfahren hat, die zur Martinskirche in Meddersheim kommen. Die rund tausend Jahre alte Kirche liegt direkt am Nahe-Radweg, der von der Nahequelle im saarländischen Selbach bis zu ihrer Mündung in Bingen am Rhein führt. Sie besitzt einen sechs Meter hohen neugotischen Sakramentsschrein und eine Stumm-Orgel aus dem Jahr 1757.

Biegel hat zwei Gartenbänke im Schatten vor der Kirche aufgestellt. Die würden von Radlern gern für ein Päuschen genutzt. Bis zu 20 Besucher kommen in der Saison pro Tag in die Kirche, schätzt Biegel. Für sie gibt es nicht nur einen kühlen Rastplatz, sondern auch meditative Stille in der Kirche.

Signet der RadwegekirchenSignet der Radwegekirchen

Auf der ehemaligen Bahntrasse der Hunsrückbahn zwischen Emmelshausen und Simmern verläuft der Schinderhannes-Radweg. An seinem Endpunkt in Simmern steht die spätgotische Stephanskirche. „Treten Sie nach einer Radtour in das lichtdurchflutete Langhaus ein und genießen Sie die wohltuende Stille“, wirbt die Gemeinde auf der Internetseite www.radewegekirchen.de. Vor der Kirche gibt es Abstellplätze für Räder und einen Bibelgarten mit einer Bank zum Ausruhen.

Seit September 2012 ist St. Paul in Wittlich in der Eifel die erste Radwegekirche auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie liegt neben dem ehemaligen Kloster der Steyler Missionare am Maare-Mosel-Radweg und ist auch Autobahnkirche. Ein Förderverein kümmert sich um die Kirche und richtet dort regelmäßig kulturelle und kirchliche Veranstaltungen aus.

Beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC sind Radwegekirchen allerdings noch weitgehend unbekannt. „Wir hatten noch keine Berührung damit“, sagt Geschäftsführerin Sara Tsudome vom ADFC Rheinland-Pfalz. Thomas Fläschner, Vorstandssprecher des ADFC Saarland, sieht das Angebot aber positiv: „Es ist schön, wenn Kirchen an Radwegen einen Ort der Stille und zum Abschalten bieten, wo man sich im Sommer abkühlen oder bei Regen in angenehmer Atmosphäre auch mal unterstellen kann.“

 

ekir.de / Ulrike Klös, Fotos: Marion Unger, Michael Wolff/EVKS, Werner/Evkirchepfalz / 20.04.2018


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