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Taufe unter freiem Himmel

Immer öfter werden Taufen nachgefragt, die nicht in Kirchen stattfinden, sondern an ungewöhnlichen Orten

Pfarrer Stephan Groetzsch steht mit den Täuflingen in den Fluten der Elbe bei Dessau

©epd-Bild/Jens Schlueter

Pfarrer Stephan Groetzsch steht mit den Täuflingen in den Fluten der Elbe bei Dessau. Im Sommer zieht es Taufgesellschaften in ganz Deutschland immer häufiger nach draußen.

Katharina Gralla ist Strandpastorin in der Nordkirche. Die meiste Zeit ihrer Arbeit verbringt sie in Timmendorfer Strand an der Ostsee zwischen Dünen und Wellen. Auch Taufen feiert sie hier, denn viele Eltern suchen hier den Ort, an dem der Glaubensweg ihrer Kinder beginnen kann. An einem freien Ort unter einem weiten Himmel, direkt am Meer, „denn das Meer ist für alle da“, sagt Gralla.

Immer öfter werden Taufen nachgefragt, die nicht in Kirchen stattfinden, sondern an ungewöhnlichen Orten. Die klassische Taufe läuft in der Mehrzahl immer noch so ab: Unter dem Dach einer Kirche, mit Pfarrer, Sonntagsgemeinde, Eltern, Paten und Täufling rundherum um den Taufstein gruppiert. Damit will die evangelische Kirche betonen, dass der persönliche Glaube in der Gemeinschaft erfahrbar wird, in der Gemeinde vor Ort.

Doch immer öfter werden auch Taufen nachgefragt, die außerhalb des Gotteshauses gefeiert werden. Regina Sommer, Theologin an der Universität Marburg, ist Expertin für die Veränderungen in  der evangelischen Taufpraxis. In einer qualitativ- empirischen Studie führte sie Interviews mit Tauffamilien und fragte diese nach ihren Erfahrungen mit der Taufe ihres Kindes. Welche Vorstellungen und Wünsche Eltern mit der Taufe ihres Kindes verbinden, erfuhr Sommer aus diesen Gesprächen.

Demnach wünschten sich immer mehr Familien eine Feier, die sich ganz auf den Anlass und ihr persönliches Erleben einstelle. Viele Eltern wünschten sich, dass Pfarrerinnen und Pfarrer im Taufgottesdienst auf die Veränderungen eingehen, die die Geburt eines Kindes für ihre Partnerschaft und Familie bedeute und auf die künftigen Herausforderungen, die das Elternsein mit sich bringe. Um die Anreise aller Familienmitglieder zu erleichtern, würden zunehmend auch Tauffeiern am Samstagnachmittag von den Pfarrerinnen und Pfarrern angeboten.

Tauffeste mit unterschiedlichen Taufformaten

Auch die Kirchengemeinden spürten die Entwicklung zur besonderen Gestaltung von Kindertaufen. Darauf versuchen die Gemeinden mit neuen Angeboten zu reagieren. Denn die Ortsgemeinden wünschen sich den Bezug zu den jungen Familien, möchten Heimat bieten und den Alltag der Heranwachsenden begleiten. Aus diesem Grund hat sich in vielen Landeskirchen das Modell des Tauffestes eingebürgert. Regina Sommer berichtet von immer mehr Gemeinden, die aktiv für gemeinsame Tauffeste werben und evangelische Familien ungetaufter Kinder zu diesen einladen. Die Idee, die dahinter steht, ist einen zentralen Taufgottesdienst anzubieten und diesen für die Beteiligten stimmig zu gestalten.

Dabei können ganz unterschiedliche Taufformate herauskommen, weiß Doris Joachim- Storch. Sie hat für das Zentrum Verkündigung der Evangelischen Landeskirche in Hessen Nassau eine Broschüre für Gemeinden miterarbeitet die sich für das Konzept des Tauffestes interessieren. Sie berichtet von Tauffesten im Kloster Loccum, am Langener Waldsee und von den Gemeinden im Dekanat Darmstadt, die im Naturfreibad Großer Woog ein großes Tauffest ausrichten.

Gottes Gegenwart spüren

Aber nicht alle Eltern, die sich für die Taufe ihres Kindes einen besonderen Ort wünschen, können sich  eine solche Großveranstaltung vorstellen. Denn der Ort bestimmt das Erleben der Taufe für den Täufling, wie auch für die Angehörigen. Allerdings ist nicht jeder Ort gleich gut geeignet: Katharina Gralla macht die Erfahrung, dass es für den Taufgottesdienst einen würdigen Ortes braucht. Ein Ort, der nicht von dem ablenken soll, worum es in der Taufe geht: dass Gott sich eines Menschen annimmt. Die Sehnsucht hinter der Taufe unter freiem Himmel sei es, Gottes Gegenwart zu spüren, gerade in der Begegnung mit der Natur.

Diese, das weiß auch Katharina Gralla, bleibt letztlich unverfügbar und kann nicht eingeplant oder hergestellt werden. Kristian Fechtner nennt drei Kriterien, die aufzeigen können, ob sich ein Ort für eine Taufe eignet. Das erste Kriterium sei die Öffentlichkeit des Taufgottesdienstes. Ein evangelischer Gottesdienst, und als solcher auch eine Taufe, sei ein Ort der öffentlichen Verkündigung und keine Privatveranstaltung, sagt Fechtner. Die Taufe solle zur Taufhandlung in einem Bezug zum Taufort stehen – wie etwa ein Fluss, der lebendiges, lebensspendendes Wasser mit sich führt und das Taufgeschehen erlebbar macht. Wichtig ist Fechtner, dass der Ort ein Ort der Erinnerung für den Getauften werden könne. Zu einem Ort, der den Beginn des Weges mit Gott markiert und zu dem dieser auch zurückkehren und sich seiner Zugehörigkeit vergewissern könne.

Regina Sommer rät Eltern, die sich für eine alternative Form der Taufe interessieren, sich zuerst mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin vor Ort in Verbindung zu setzen. Im Gespräch könnten die Eltern ihre Wünsche äußern und gemeinsam einen gangbaren Weg für die Taufe ihres Kindes finden. Sie wünsche sich von Gemeindepfarrern eine Offenheit für die Wünsche von Taufeltern. 

Maike Weiß

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