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Vom Trost in Liedern: Musik ist wie Schokolade, sie tröstet

Musik spricht unmittelbar an, wie eine angeschlagene Klangschale.Musik spricht unmittelbar an, wie eine angeschlagene Klangschale.

Vom Trost in Liedern

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Der Musik kann sich niemand entziehen, sie spricht unmittelbar an, wie eine angeschlagene Klangschale. Was eine positive Resonanz auslöse, sei freilich von der einzelnen Person abhängig. Bei der einen sind es Lieder der Toten Hosen, bei einem anderen ein Schlager und bei dritten ist es ein Choral von Paul Gerhardt und seinem Komponisten Ebeling Johann Georg. In jedem Fall ist für Enk Musik „wie Schokolade, sie tröstet“.

Deutlich machte Enk das bei einer Tagung, in der der Kirchenmusiker zusammen mit einer Journalistin und einem Schlager-Texter Einblicke in die tröstende Kraft von Liedern gab. „Raus gehen, Freude suchen. Vom Trost in Liedern hören, singen und schreiben“ lautete das Thema.

Tonspur im Leben

Lieder ziehen häufig eine Tonspur durch das Leben. Bei Jens-Peter Enk ist das Gesangbuchlied „Nun danket alle Gott“ zum Soundtrack seines Lebens geworden. „Mit elf Jahren habe ich den Choral das erste Mal im Gottesdienst an der Orgel gespielt. Seither ist er mir in den unterschiedlichen Situationen immer wieder aufgeschlagen.“

Auch Konfirmandinnen und Konfirmanden haben ihm von tröstenden Tonspuren berichtet. „Wenn es mir schlecht geht, kommt mir eine Choralmelodie in den Kopf, hat ein Jugendlicher einmal zu mir gesagt.“ Enk freut sich darüber, zeige es ihm doch, dass Jugendliche gegen manche Erwartung auf „alte“ Gesangbuchlieder angesprochen werden können.

Lieder müssen stimmig sein

Im Vergleich mit neuerem geistlichen Liedgut schnitten viele Choräle einfach besser ab, sagt er über seine Arbeit mit Konfi-Gruppen. „Jugendliche haben ein Gespür dafür, ob ein Lied stimmig ist.“ Bei neueren Kirchenliedern passten Melodie und Text oft nicht zusammen.

Stimmig sind die Lieder Paul Gerhardts, vielen Menschen spenden sie bis heute Trost. „Paul Gerhardt ist ganz schlicht“, sagt die Journalistin Irene Dänzer-Vanotti zur Begründung. Dass auch die Noten zu seinen Texten stimmig sind, zeigt sich, wenn die Texte vorgetragen und die Melodien dazu gespielt werden: Die Musik hebt die Wirkung der Texte hervor.

"Geh aus meine Herz"

„Trost braucht ein Mensch, wenn er in sich gefangen ist“, sagt Dänzer-Vanotti. Auf ein wenig Abstand zu sich zu gehen sei dabei ein bewährtes Trost spendendes Mittel. Indem man einfach mal rausgeht in die Natur: „Geh aus mein Herz und suche Freud“, lautet Paul Gerhardts Vorschlag: „Schau an der schönen Gärten Zier, und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.“ Die Natur hält Trost bereit.

Das gilt auch für den auf den ersten Blick gar nicht trostbedürftigen Übergang vom Tag zur Nacht. Paul Gerhardts Lied „Nun ruhen alle Wälder“ schafft auch hier eine trostspendende Distanz: „Ihr aber meine Sinnen, auf, auf, ihr sollt beginnen, was eurem Schöpfer wohlgefällt.“

Endlichkeit und Begrenztheit

Trost sucht ein Mensch auch, wenn er sich seiner Endlichkeit und Begrenztheit bewusst wird. Paul Gerhardt lenkt den Blick auf die Sonne, die den menschlichen Grenzen ein helles Licht setzt: „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder; aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht.“

Angesichts der schicksalhaften Zufälligkeiten eines Lebens biete nicht zuletzt die Erkenntnis, gewollt zu sein, dem Leben eine trostreiche Perspektive. „Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben“, dichtet Gerhardt in seinem Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“, einem der Texte, an denen sich viele Menschen vor allem älterer Generationen festhalten können, weil sie sie auswendig kennen.

Den Trostspeicher auffüllen

Lieder können keine Probleme lösen, und manch einer wird sagen, dass sie nur ablenken. Ein Vorwurf, den der Schlagertexter Tobias Reitz aus Düsseldorf gelegentlich hört. „Schlager bedienen eine Scheinwelt – und auch wieder nicht“, sagt er. Schlager handelten von einer Sehnsucht und könnten einen Trostspeicher auffüllen. Wie auch Kirchenlieder und Musik generell. Ohne die tröstende Kraft der Lieder wäre die Welt sehr viel kälter.

Die Tagung „Raus gehen, Freude suchen. Vom Trost in Liedern hören, singen und schreiben“ ist in Kooperation von der Evangelischen Akademie im Rheinland, ihrem Freundeskreis und der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf veranstaltet worden.

 

ekir.de / Wolfgang Beiderwieden; Foto ekir.de-Archiv / 27.04.2018


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