Mittwoch, 18 August 2010 12:44

Herta Müller: Atemschaukel

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Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller thematisiert in ihrem Roman Atemschaukel die Deportation der deutschen Minderheit in Rumänien in Arbeitslager der Sowjetunion. Zehntausende Männer und Frauen zwischen 17 und 45 Jahren wurden 1945 verschleppt und kamen meist erst nach 5 Jahren Arbeitslager zurück.

Atemschaukel – das ist das Unvermögen, richtig zu atmen, weil einem der Hungerengel im Hals sitzt und den Atem wegschluckt. Herta Müller hat die Erinnerungen zahlreicher Freunde und Bekannte in diesem Buch in der Figur des 17-jährigen Leo zusammengefasst. Leo berichtet von den Schrecken des Lagerlebens, insbesondere von den vielfältigen Auswirkungen des Hungers, der das Hauptthema in diesem Roman bildet.

Herta Müller gelingt es mithilfe einer außergewöhnlichen Sprache die inhumane und trostlose Lage der Lagerinsassen wiederzugeben. Die Erlebnisse im Lager sind keine vorübergehenden „Events", sondern das gesamte restliche Leben kennzeichnende tiefgehende Erfahrungen. Es gibt im Leben keinen Ausweg, keine Fluchtmöglichkeit vor ihnen, so das Fazit des Romans. So wie es unmöglich war, dem Lager lebendig vorzeitig zu entkommen, genauso quälten die Erinnerungen die Lagerinsassen jahrzehntelang.

Herta Müllers größter Verdienst ist es, diesen – so manchem Leser vielleicht noch nicht einmal bekannten Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte ab 1945 – in eindringlicher Sprache und Form festzuhalten. Die Lektüre dieses Buches bewegt zutiefst und sein Inhalt wird nicht in Vergessenheit geraten.

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