Mittwoch, 18 August 2010 12:47

Grit Poppe: Weggesperrt

Rate this item
(4 votes)

Hier ein fesselndes und aufschlussreiches Jugendbuch über ein vielfach unbekanntes Thema: Über die dem Ministerium für Volksbildung unterstellten Jugendwerkhöfe in der ehemaligen DDR.

Unter dem Titel „Weggesperrt“ hat Grit Poppe einen fiktiven Roman über die Menschenverachtung und Brutalität in diesen ehemaligen DDR-Erziehungsanstalten – insbesondere im „Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau“ – geschrieben.

Im Mittelpunkt steht die 14-jährige Anja, deren regimekritische Mutter im Herbst 1988 einen Ausreiseantrag aus der DDR stellt. Auch Anja gilt als aufmüpfig. Sie weigert sich in die FDJ einzutreten und sie verspottet den Sozialismus. Beide werden von der Stasi verfolgt, festgenommen und getrennt voneinander weggesperrt.

Anja wird ohne juristisches Verfahren in einem Jugendwerkhof untergebracht. Schockiert von der Willkür der Erzieher und Gefühlskälte unter den Jugendlichen gelingt es der 14-Jährigen zu fliehen und bei Verwandten der Mutter unterzutauchen. Kurze Zeit später wird sie wieder gefasst und - da sie sich weiterhin uneinsichtig zeigt - in den berüchtigten „Geschlossenen Jugendwerkhof (GJWH) Torgau“ überführt. Dort sollten Jugendliche unter Bedingungen wie im Gefängnis zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ erzogen werden. Nach einem schweren Unfall im GJWH Torgau kommt Anja gegen den Willen der Anstaltsleitung in ein Krankenhaus. Von dort aus gelingt ihr erneut die Flucht, diesmal nach Leipzig, wo sie im Herbst 1989 die Montagsdemonstrationen gegen das DDR-Regime miterlebt.

Nach Lesen des Romans ist es eigentlich unfassbar, dass der GJWH Torgau erst am 7. November 1989, also zwei Tage vor dem Fall der Berliner Mauer, endgültig aufgelöst wurde. Wer ein informatives und spannendes Buch über ein dunkles Kapitel der DDR Geschichte lesen möchte, dem sei „Weggesperrt“ von Grit Poppe empfohlen.

Read 8818 times