Samstag, 28 August 2010 11:02

Morris Gleitzman: Einmal

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Bei dem Jugendroman „Einmal“ von Morris Gleitzman handelt es sich um ein unglaublich bewegendes Buch über die Judenvernichtung, beschrieben aus der Sicht eines achtjährigen Jungen namens Felix. Bemerkenswert: für den Jugendliteraturpreis 2010 wurde „Einmal“ nicht von den professionellen Juroren nominiert, sondern von Schülern der Jugendjury. Deren Begründung lautet wie folgt:

Einmal findet Felix eine ganze Möhre in seiner Suppe. Er deutet es als Zeichen seiner Eltern und flüchtet aus dem Waisenhaus, um sie zu suchen. Auf seinem Weg findet er die verletzte Zelda neben ihren toten Eltern. Er dankt Gott, Jesus, der Jungfrau Maria, dem Papst und Adolf Hitler, dass sie noch am Leben ist. Gemeinsam ziehen Felix und Zelda weiter und stoßen auf einen Strom von Menschen. Nur seine phantasievollen Geschichten können die beiden vor der unmenschlichen Realität schützen.
Der Roman, der 1942 in Polen spielt, lässt den Leser an der kindlichen Wahrnehmung des kleinen Felix teilhaben und schildert aus seiner Perspektive das Grauen der Judenverfolgung im Dritten Reich. Es gibt viele Bücher über dieses Thema, doch dieses sticht durch seinen besonderen Blickwinkel heraus.
Morris Gleitzman schreibt in einer bilderreichen Sprache von Hoffnung, Phantasie und Liebe, die sich vielleicht nur ein Kind in einer solch aussichtslosen und kaltblütigen Zeit in diesem Maße bewahren kann.“

Mich hat die Lektüre dieses Buches ebenso bewegt wie die Geschichte „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne. Bei Boyne ist der kleine Junge ein Beobachter, der im Gegensatz zum Leser nicht begreift, was er sieht – in Gleitzmans Roman wird der Junge, der sein Erleben berichtet, unmittelbar in das Grauen hineingezogen. Eine eindrucksvolle Erzählung über die Judenvernichtung aus Sicht eines Kindes.

Übrigens: „Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne ist auch in der Bücherei zu entleihen.

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