Buchtipp
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Buchtipp (23)

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Montag, 04 April 2011 17:30

Isabel Allende: Die Insel unter dem Meer

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Interesse an einem Historischen Roman, der als Familiengeschichte vor dem Hintergrund der Haitianischen Revolution (1791) sowohl auf Saint-Domingue (1770-1793) als auch in New Orleans/ Louisiana (1793-1810) spielt?

Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Mulattin Zarité, genannt Tété, die im Alter von neun Jahren an den jungen Plantagenbesitzer Toulouse Valmorain als Dienstmagd für seine kranke Frau verkauft wird. Zarité muss in jungen Jahren vielerlei Widrigkeiten durch ihren weißen Herrn erdulden. Als der politische Konflikt zwischen den aufständischen Sklaven und den weißen Herren in Saint-Domingue eskaliert, gelingt Zarité – gemeinsam mit ihrem Herrn, dessen kleinem Sohn Maurice und ihrer Tochter Rosette - die Flucht nach Kuba und weiter nach New Orleans. Ob sie es wohl im fernen Louisiana endlich schafft, die Freiheit für sich und ihre Tochter zu erlangen?

Isabel Allendes Einfallsreichtum und Erzählkunst in ihrem neuen Roman „Die Insel unter dem Meer“ ist beeindruckend. Allerdings hat sich der Leser im Verlauf der Geschichte auf eine Vielzahl von Personen und Ereignisse einzustellen. Die Verstrickungen und Geschehnisse nicht durcheinander zu bringen, erfordert vom Leser Aufmerksamkeit.

Ein farbenprächtiges Buch über die historischen Sklavenaufstände in der Karibik, das auch dazu anregt, sich mit vergangener Kolonialgeschichte zu beschäftigen.

Montag, 04 April 2011 17:27

Sofi Oksanen: Fegefeuer

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Der Kölner Stadtanzeiger sprach über Sofi Oksanen von „Finnlands neuem Popstar der Literatur“ als er über ihre Lesung in Köln und ihren neuen Roman „Fegefeuer“ berichtete (KSTA 11./12.9.2010). „Sofi Oksanen“: Haben Sie den Namen dieser jungen, talentierten Autorin zuvor schon einmal gehört?

Sofi Oksanen wurde 1977 als Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters geboren, wuchs in Mittelfinnland auf und lebt heutzutage in Helsinki. Viel Zeit verbrachte sie als Kind in den Sommerferien bei ihrer Großmutter im ländlichen Estland. Und ebenda spielt auch ihr mehrfach ausgezeichneter Roman „Fegefeuer“.

Zu Beginn der Handlung findet Aliide Tru, eine alte Frau, die allein in einem Bauernhaus auf dem estnischen Land lebt, eine junge verstörte Frau namens Zara auf ihrem Hof. Zara, die auf der Flucht vor ihren äußerst brutalen Zuhältern ist, wird von Aliide Tru aufgenommen und vor ihren Peinigern versteckt. Doch Zara kam nicht zufällig auf den Hof von Aliide Tru. Sie möchte herausfinden, ob Aliide Tru die Schwester ihrer Großmutter ist.

In verschiedenen Rückblenden erzählt Sofi Oksanen die Tragödie einer Familie vor dem Hintergrund der wechselhaften Geschichte Estlands im Zeitraum von 1936 bis 1992.

Das Buch fordert den Leser, sich mit der Geschichte Estlands im letzten Jahrhundert auseinanderzusetzen. Gleichzeitig nimmt es sich mit großem Ernst dem immer wiederkehrenden, traurigen Thema „Gewalt von Männern gegenüber Frauen“ an. Ein bemerkenswertes, interessantes Buch – spannend zu lesen wie ein Krimi.

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Luisa, Physiotherapeutin, Ehefrau und Mutter finanziert ihrer Familie einen gemeinsamen Urlaub auf einem Hausboot in England. Zur Familie zählen nebst ihrem Ehemann Daniel, einem begabten, aber erfolglosen Künstler, die zwei pubertierenden Kinder Lea und Jasper. Can, ein langjähriger Freund von Jasper, ist auch mit von der Partie – ebenso wie Emma, die 15-jährige Tochter Daniels aus einer Affäre. Emma lebt normalerweise mit ihrer Mutter in Amerika. Sie hatte bisher weder zu ihrem Vater noch zu dessen Familie viel Kontakt.

Dass das Zusammenleben dieser sechs sehr unterschiedlichen Personen auf einem Hausboot nicht gerade einfach ist, steht außer Frage. Was sich aber daraus entwickelt, ist zeitweise so komisch und witzig, dass man als Leser vom Ende der Geschichte umso mehr überrascht wird.

„Sommer mit Emma“ ist eine amüsante Familiengeschichte, insbesondere Lesern mit pubertierenden Kindern zu empfehlen.

Freitag, 04 Februar 2011 18:13

Polina Daschkowa: In ewiger Nacht

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Kennen Sie die russische Autorin Polina Daschkowa?

Polina Daschkowa (geb. 1960) gilt als die wichtigste Krimiautorin des gegenwärtigen Russlands. Sie studierte am Gorki-Literaturinstitut in Moskau und arbeitete als Dolmetscherin und Übersetzerin, bevor sie zum Schreiben spannender Kriminalliteratur kam.

In ihrem neuen Krimi „In ewiger Nacht“ geht es um Fälle von Kinderpornographie, Missbrauch und Mord. Olga Filippowa, Ärztin in einer psychiatrischen Klinik, sucht einen Mörder, den sie bereits aus der Vergangenheit zu kennen glaubt. Mit Hilfe von Kommissar Dmitri Solowjow von der Moskauer Kriminalmiliz, ihrer Jugendliebe, gelingt es, dem Mörder der fünfzehnjährigen Shenja schnell auf die Spur zu kommen. Allerdings begibt sich auch Olga Filippowa dabei selbst in Lebensgefahr...

Ein psychologisch interessanter, unglaublich spannender und fesselnder Krimi aus dem heutigen Russland.

Freitag, 04 Februar 2011 18:11

Melinda Nadj Abonji: Tauben fliegen auf

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Die Schweizer Autorin Melinda Nadj Abonji , geb. 1968 in Becsej, Serbien, gewann mit ihrem Roman „Tauben fliegen auf“ den Deutschen Buchpreis 2010.

Im Mittelpunkt des Romans steht die ungarisch-serbische Familie Koscis, die aus der Vojvodina ausgewandert ist und in der Schweiz ihre neue Heimat gefunden hat. Äußerer Erfolg auf der einen Seite, Konflikte innerhalb der Familie andererseits und die Entfremdung von der Heimat sind eingebettet in die Gewaltgeschichte Jugoslawiens insbesondere die kriegerischen Auseinandersetzungen Serbiens. Ein lesenswertes Buch!

Samstag, 28 August 2010 11:21

Kim Echlin: Der verschollene Liebhaber

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Die junge Kanadierin Anne Greves verliebt sich im Montreal der 1970er Jahre gegen den Willen ihres Vaters in einen Studenten aus Kambodscha. Serey kehrt nach wenigen Monaten in sein Heimatland, das vom Krieg zerstörte Kambodscha, zurück. Zehn Jahre später folgt Anne Greves der Stimme ihres Herzens und macht sich auf die Suche nach Serey in Kambodscha. Sie findet ihn und erfährt hautnah die Folgejahre des Terrorregimes der Roten Khmer. Auch ihr Geliebter Serey hat sich verändert und birgt ein gefährliches Geheimnis.

Der Roman „Der verschollene Liebhaber“ fasziniert nicht nur durch die eindrucksvolle Liebesgeschichte, sondern auch durch die teils sehr beeindruckenden Schilderungen der Menschen und ihres Lebens in Kambodscha. Es handelt sich um eine fesselnde Lektüre trotz aller beschriebenen Grausamkeiten. Die ganze Tragödie Kambodschas kann man im Anhang dieses Romanes in einer kleinen Zusammenfassung der Geschichte Kambodschas nachlesen.


Samstag, 28 August 2010 11:19

Nina George: Die Mondspielerin

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„Es war die erste Entscheidung, die sie alleine traf. Das erste Mal eben, dass sie bestimmte, was zu tun war. Marianne beschloss, zu sterben. Jetzt. Hier. Da unten in den Wassern der Seine, am Ende dieses grauen Tages.“ So der traurige Beginn „Der Mondspielerin“ von Nina George.

Der Selbstmordversuch der sechzigjährigen Marianne misslingt. Sie wird von einem Clochard gegen ihren Willen gerettet. Nach einer freudlosen Begegnung mit ihrem Mann im Pariser Krankenhaus, trifft Marianne eine zweite Entscheidung: Ganz allein macht sie sich auf den Weg in die Bretagne ans Meer. Wegweisend für ihre Flucht ist das Motiv auf einer zufällig gefundenen Fliese: der kleine Hafen von Kerdruc. In einer dort ansässigen Pension scheint man Marianne wahrhaftig bereits zu erwarten. Sie wird als Köchin eingestellt, erhält eine Unterkunft und verdient ihr eigenes Geld. Marianne ist fasziniert von der bretonischen Lebensart und sie findet schnell Anschluss an das dörfliche Leben mit all den liebenswerten Menschen. Ihr ursprünglicher Gedanke, sich im Meer das Leben nehmen zu wollen, tritt zunehmend in den Hintergrund. Und dann macht Marianne auch noch die Bekanntschaft des Malers Yann Gammé...

„Die Mondspielerin“ von Nina George ist ein liebevolles, warmherziges und lebenskluges Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen mag. Die Landschaft der Bretagne sowie die Menschen mit ihren Sitten und Gebräuchen wachsen dem Leser schnell ans Herz. Eine Geschichte, die zeigt, dass es nie zu spät ist, sein leben zu ändern.


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Lieben Sie das Leben wie Gott in Frankreich? Haben Sie vielleicht selbst schon einmal im Périgord, einer Landschaft im Südwesten Frankreichs, Ihren Urlaub verbracht? Dann werden Sie am zweiten Fall für Bruno, Chef de police, Gefallen finden: einem Krimi, Reise- und Weinführer in einem.

Eigentlich ist Brunos Heimat, die Stadt Saint-Denis im Périgord ein friedliches Paradies auf Erden. Wenn da nicht plötzlich ein amerikanischer Weinunternehmer auftauchen würde, der die Weinberge der Gegend aufkaufen will. Umweltaktivisten, Biowinzer und eine höchst eigenwillige, hinzugezogene junge Frau wehren sich. Als dann auch noch in einem Weinfass nicht Wein, sondern eine Leiche gefunden wird, muss Bruno, Chef de police, handeln.

Der Krimi ist sehr unterhaltsam und lässt sich schnell am Stück lesen. Gleichzeitig lernt der Leser viel über Land und Leute im Périgord. „Ein überzeugender Held, treffend gezeichnete Charaktere, präzise geschildertes Ambiente“ so der Rheinische Merkur zu Martin Walkers Bruno, Chef de police. Dem gibt es meines Erachtens nichts mehr hinzuzufügen.

In unserer Bücherei gibt es den ersten als auch zweiten Fall von Bruno, Chef de police, auszuleihen. Man kann die Bücher unabhängig voneinander lesen, wobei mir persönlich der hier vorgestellte zweite Band besser gefallen hat.


Samstag, 28 August 2010 11:14

Deon Meyer: Dreizehn Stunden

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Interessiert Sie ein fesselnder Kriminalroman, der gleichzeitig tiefe Einblicke in die vielschichtige Gesellschaft Südafrikas gewährt?

Deon Meyer, 1958 in Südafrika geboren, gilt als der erfolgreichste Krimiautor Südafrikas. Er wurde bereits zweimal mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und für „Dreizehn Stunden“ erhielt er in Südafrika einen Preis für den besten Spannungsroman des Jahres.

Im Zentrum des Geschehens von Deon Meyers „Dreizehn Stunden“ steht Inspector Benny Griessel – es ist 5 Uhr 37, als ihn das Telefon aus dem Schlaf reißt: Eine junge Amerikanerin ist in Kapstadt ermordet aufgefunden worden. Schnell finden die Ermittler heraus, dass Rachel, die Freundin der Ermordeten, durch die Stadt gejagt wird, und sich nicht traut, zur Polizei zu gehen. Zur selben Zeit findet ein Hausmädchen einen Musikproduzenten tot in seinem Haus – vor ihm liegt die Ehefrau mit der Pistole und erwacht langsam aus ihrem Rausch. Ein rasanter Tag beginnt für Inspector Griessel und sein Ermittlungsteam. Es bleibt ihnen genau „Dreizehn Stunden“, um beide Mordfälle aufzuklären.

Deon Meyer hat einen äußerst spannenden Südafrika Krimi geschrieben, der dank seiner komplexen Handlung niemals langweilig wird. Am Ende ist man erstaunt, wie beide Mordfälle miteinander zusammenhängen, und was man als Leser nebenbei über das Land Südafrika erfahren hat.

Samstag, 28 August 2010 11:12

Susann Pásztor: Ein fabelhafter Lügner

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Hauptperson in dem Roman „Ein fabelhafter Lügner“ von Susann Pásztor ist – das verstorbene – Familienoberhaupt József Molnár, genannt Joschi, der 100 Jahre alt geworden wäre. Joschi hatte fünf Kinder mit fünf verschiedenen Frauen, verlor zwei Kinder und seine zweite Frau in Auschwitz, war Häftling in Buchenwald. Er hinterließ ein Vermächtnis von Geschichten, war selbst ein phantasievoller Geschichtenerzähler.

Dreißig Jahre nach seinem Tod bringt der Geburtstag die Halbgeschwister Marika, Hannah und Gabor zum ersten Mal zusammen. Sie treffen sich in Weimar, um ihre sehr unterschiedlichen Versionen von Joschis Leben miteinander auszutauschen. Was folgt ist ein Wochenende voller Überraschungen und Geständnisse. Ganz unterschiedliche Vaterbilder kommen zum Vorschein.

Beobachtet und beschrieben wird das Familientreffen von Marikas 16-jähriger Tochter Lily. Diese hatte sich eigentlich für ein Referat über das Konzentrationslager Buchenwald gemeldet, stattdessen berichtet sie mit liebevoller Anteilnahme von dieser Zusammenkunft. Im Mittelpunkt ihrer Erzählung steht dabei der gemeinsame Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald oberhalb von Weimar: ein nachdenklicher und eindrucksstarker Rundgang durch das KZ-Gelände folgt, detailgetreu und atmosphärisch dicht. Jeder, der dieses Gelände bereits persönlich einmal besichtigen konnte, wird sich an die individuellen Örtlichkeiten und die beklemmende Stimmung erinnern.

Das Ende des Romans ist überraschend: Ein illegaler Geburtstagsfestakt zu Joschis Ehren, der zum Verstehen und zur Versöhnung innerhalb der Familie beiträgt, allerdings auf der Polizeistation in Weimar endet.

Susann Pásztor hat eine bewegende Familiengeschichte geschrieben, in der das Tragische und das Komische ganz eng miteinander verbunden sind, und der trotz des Themas nie bedrückt, sondern wegen seiner heiteren Menschlichkeit auch mal zum Lachen anregt.
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