Ich möchte mit Ihnen meine Gedanken zum Monatsspruch für den Februar 2021 teilen; er steht bei Lukas im 10. Kap., Vers 20:

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.

Ja, ich habe mich über diesen ausgewählten Monatsspruch gefreut, denn immer wieder wählen Konfirmandinnen und Konfirmanden diesen Vers als Konfirmationsspruch. In unserer Gemeinde ist es Tradition, dass die Jugendlichen ein Bild zu ihrem Konfirmationsspruch malen und einen Text schreiben, in dem sie begründen, warum sie diesen Vers ausgewählt haben, warum er für sie wichtig ist und sie im Leben begleiten soll.

Und dann malen sie: Meist den blauen Himmel, viele nebeneinander liegende Wolken und darunter, auf der Erde, einige Menschen.

Zu jedem Menschen gehört eine Wolke, in die der Name geschrieben ist. Und sie schreiben ihren eigenen Namen, aber auch den Namen derer, die ihnen wichtig sind.

In der Begründung für diesen Spruch schreiben sie oft, dass es ihnen wichtig ist, beim Namen gekannt und benannt zu werden. Ihr Name steht für ihre Persönlichkeit und Einmaligkeit. Keine Stigmatisierung aufgrund ihrer Schulform, ihres Äußeren, ihres Handymodells. Dass ihr Name bekannt ist, bedeutet für sie: Ich bin wichtig. Mein Name ist notiert, ich gehe nicht verloren. Ich, ein Mensch von über 7 Milliarden Menschen auf der Welt, bin beim Namen gerufen, werde nicht vergessen oder übersehen. Wer mich kennt, steht positiv gesehen in einer Beziehung zu mir, ich bin ihm nicht egal.

Und auch die anderen sind nicht egal, sind mir nicht egal. Auch sie haben einen Namen, stehen in Beziehung, sollen nicht vergessen werden, sollen verzeichnet sein, aufgelistet sein.

Ganz positiv wird hier das Notiertsein gesehen: keine Angst vor Missbrauch meiner persönlichen Daten, keine Scheu, dass dort mein Name gespeichert ist. Endlich mal eine positive Datenbank, eine gute Liste, die dem Leben dient. Mit meinem Namen werden keine Statistiken gefälscht, mein Name wird nicht zu Werbezwecken missbraucht, und ich werde in keine Profil-Schublade gesteckt. Ich bin ich, einmalig, von Gott geliebt. Freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind.

In der Bibel wird in diesem Zusammenhang das Buch des Lebens genannt, in ihm sind alle mit Namen verzeichnet und werden nach ihren Taten beurteilt. Auch Paulus erwähnt das Buch des Lebens (Phil 4,3). In der Offenbarung heißt es: Niemals werde ich seinen Namen aus dem Buch des Lebens streichen (3,5) oder in Psalm 69,29 die Bitte, die Ungerechten aus dem Buch des Lebens zu tilgen, dass sie nicht geschrieben stehen bei den Gerechten.  Im 2. Buch Mose 32,32 bittet Mose Gott: Vergib ihnen doch ihre Sünde; wenn nicht, dann tilge mich aus deinem Buch, das du geschrieben hast.

Freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind. Auf dieser Festplatte sind wir gespeichert, diese Liste steht für das wahre Leben – hier auf Erden und dann im Himmel.

Mit unserem Namen ist aber auch unser Leben und unsere Verantwortung für unser Tun verbunden. „Dafür stehe ich mit meinem Namen“, so gelobte es vor einiger Zeit noch der Firmeninhaber einer Kindernahrungskette. Sein Name stehe für Qualität. Und für Verantwortung. „Dafür stehe ich mit meinem Namen ein“ heißt: ich bin mir der Verantwortung bewusst. Und ich handele verantwortungsbewusst.

Unser Monatsspruch steht in einem Zusammenhang, in dem es um Verantwortung geht: (Lukas 10,17-20)

17 Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen.

18 Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. 19 Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden. 20 Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Diese 72 weiteren Jüngerinnen und Jünger hatte Jesus ausgesandt, zu predigen, zu trösten und zu heilen. Sie reisten mit leichtem Gepäck, ohne Geldbeutel, ohne Proviant. Sie lebten von dem, was ihnen die Menschen, die sie aufnahmen und hörten, gaben. Und wenn sie nicht willkommen waren, sollten sie den Staub von ihren Füßen schütteln und weiterziehen.

Das Projekt glückte. Denn voller Freude kamen die 72 zurück, voller Erfolg und Begeisterung. Sie hatten ihre Macht gespürt, aber das ist nicht das Eigentliche, sondern, dass ihre Namen im Himmel verzeichnet sind, dass sie Verantwortung tragen und ihre Macht nicht missbrauchen.

Ich freue mich über diesen Monatsspruch, denn er sagt mir zu:

  • Ich bin Gott persönlich bekannt, er kennt mich mit meinem Namen.
  • Ich trage Verantwortung.
  • Ich freue mich, dass unsere Namen bei Gott verzeichnet sind, denn derzeit höre ich immer nur Zahlen: täglich etwa 900 an Covid 19 verstorbene Menschen, und viele Tausend Neuinfizierte an jedem Tag. So und so viel Tausend Geimpfte, so und so viel Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören und dringend auf eine Impfung warten. Und ich frage mich: Wer kennt ihre Namen, ihren Lebensweg, ihren Leidensweg, ihre Ohnmacht und ihre Hoffnung? Gott kennt sie!!

Freut euch, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind – dieser Monatsspruch vermag zu trösten: denn du Gott, kennst jede und jeden von uns beim Namen.

Pfarrerin Andrea Döhrer

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