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Gedanken zum Tag

Gottesdienst Karfreitag 2020

​Thema; Lasst Euch versöhnen mit Gott

Kantor Johannes Meyer spielt: Joh. Seb. Bach: "Herzlich tut mich verlangen" (O Haupt voll Blut und Wunden) Bach Orgelwerke, Bd. 5, Nr. 27, Edition Peters, Frankfurt am Main

Eingangsspsalm 22, 2-6.12.20

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.
Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.
Unsere Väter hofften auf dich.
Und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.
Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
enn es ist hier kein Helfer.
Aber du, Herr, sei nicht ferne,
 meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Gestern war es genau 75 Jahre her: am 9. April 1945 wurde der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer im KZ-Flossenbürg gehängt. Weniger bekannt als sein Gedicht von den guten Mächten ist:

Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Neuausgabe, München 1977, 381f

Kantor Johannes Meyer singt und spielt:
​Wie ein Fest nach langer Trauer Text: Jürgen Werth Melodie: Johannes Nitsch Rechte: 1988 Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart

Fürbitten

Jesus Christus, du nimmst unsre Not an,
erleidest unser Kreuz und stirbst unsern Tod.
Vor dich bringen wir die Menschen, die heute
gefoltert, verhöhnt und getötet werden.
Schenke du die Gewissheit:
Finsternis ist nicht finster bei dir
und die Nacht leuchtet wie der Tag.

Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde,
Dein Wink, dein Ruf schuf aus Finsternissen das Licht.
Vor dich bringen wir die Menschen, die ihr Kreuz tragen können,
und jene, die darunter zerbrechen.
Schenke du die Gewissheit:
Finsternis ist nicht finster bei dir
und die Nacht leuchtet wie der Tag.

Heiliger Geist, du fährst, wohin du willst und magst,
du machst stark, was daniederlag.
Vor dich bringen wir alle, die in der Politik
Verantwortung tragen für unsere Gesundheit
und gleichzeitig fürs Funktionieren dieser Gesellschaft.
Vor dich bringen wir alle, die unter dieser Krise leiden,
psychisch, materiell und im familiären Zusammenleben.
Vor dich bringen wir alle, die Kranke pflegen, besuchen und behandeln,
und alle, die diese Krise nicht überleben werden.
Schenke du die Gewissheit:
Finsternis ist nicht finster bei dir
und die Nacht leuchtet wie der Tag.

​Vater unser

Flötenmusik: ​Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt (EG98)

gespielt von Elske de Vries

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