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Evangelische Erwachsenenbildung: Weil Bildung für alle ein Grundanliegen der Reformation ist

Dr. Dagmar Herbrecht leitet das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Nordrhein.Dr. Dagmar Herbrecht leitet das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Nordrhein.

Evangelische Erwachsenenbildung

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Welche Bildung macht glücklich?

Bildung, die Spaß macht. Bildung, bei der ich selber die Inhalte mitbestimmen kann. Bildung, bei der ich als ganzer Mensch gefragt bin. Wo alle meine Sinne angesprochen werden. Wo ich etwas Kreatives machen kann. Wo ich etwas für den Kopf habe. Wo ich auch etwas fürs Herz kriege. Und Bildung, die ich mit anderen zusammen mache.

Wie kann ich Bildungsinhalte mitbestimmen?

Indem ich sagen darf, was mich am Thema interessiert. Indem Menschen miteinander ein Thema entwickeln. Indem Teilnehmende allein oder in einer Gruppe ein Miniprojekt zum Thema konzipieren und erproben.  

Gibt es gar keinen Frontalunterricht mehr?

Nein, denn Frontalunterricht stellt unter mündigen Erwachsenen keine Augenhöhe dar. Was es natürlich immer noch gibt ist die klassische Vortragsveranstaltung, weil es auch Menschen gibt, die sehr daran interessiert sind, schlicht Wissen vermittelt zu bekommen. Sie möchten hören, was andere gedacht haben, sei es in der Wissenschaft, sei es in einem Praxisfeld. Wenn eine Vortragsveranstaltung genial ist, dann endet sie in einer lebhaften Diskussion.

Wie führt Bildung zu Gott?

Bildung führt zu Gott, indem Bildung mir hilft, meine Standpunkte zu klären. Wir bieten Bildung aus evangelischer Perspektive an. Damit können sich Interessierte dann auseinandersetzen. Eines unserer außerordentlich gut angenommenen Angebote ist die Laien-Uni. Die Teilnehmenden erwerben theologisches Wissen und haben dadurch die Möglichkeit, ihren eigenen Standpunkt zu finden. Für diesen Kurs, der immerhin über drei Jahre geht, ist die Nachfrage so hoch, dass wir nun parallel einen zweiten anbieten.

Erfolgreich ist auch das Pilotprojekt „Basiskurs Bibel und Theologie“?

Auch diesen ersten Inhouse-Kurs für kirchliche Mitarbeitende entwickeln wir weiter. Der Pilot wird Modellprojekt und ich wünsche mir, dass er zum Regelangebot wächst. In diesem Kurs machen wir neue kirchliche Mitarbeitende vertraut mit dem Leitbild und Wertesystem ihres Arbeitgebers. Mir zeigt es: Wir brauchen theologische Bildung, wir brauchen überhaupt Bildung. Sie ist eine ureigene Aufgabe der Kirche. Es geht darum Menschen zu befähigen, ihre Talente zu fördern und dass sie ihre von Gott gegebene Freiheit verantwortlich leben. Es geht darum, Menschen durch Bildung Teilhabe zu ermöglichen.

Inwiefern ist Inklusion ein großes Thema?

Es ist bei uns als Querschnittsthema im Fokus. Wir haben bei diesem Thema einen großen Anspruch und stehen gleichzeitig noch ganz am Anfang. Unsere Zweigstelle im Kirchenkreis An Sieg und Rhein hat sich das Thema auf die Fahne geschrieben, entwickelt Formate der inklusiven Bildungsarbeit, von denen wir hoffen, dass andere  Zweigstellen davon profitieren können. Wir haben inklusive Bildungsarbeit auch im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel, da gibt es eine Gemeinde, die mit dem Thema begonnen hat. Außerdem werden wir ab April eine Studienleiterin haben, die Inklusion als Schwerpunkt vertritt.

Zu den weiteren Querschnittsthemen gehört die Integrationsarbeit?

In der Integrationsarbeit für Flüchtlinge war die evangelische Erwachsenenbildung sehr schnell dabei dank ihrer dezentralen Struktur: Kirchengemeinden und Kirchenkreise konnten genau dort Sprach- und Integrationskurse anbieten, wo Flüchtlinge ankommen. Die heutige Herausforderung in der Integrationsarbeit ist die Sicherung und Verfestigung von Spracherwerb. Das heißt, es geht darum, dass Menschen in unserer Gesellschaft ihren Platz finden. Das ist die Nachhaltigkeit, mit der wir als evangelische Erwachsenenbildung bei allen unseren Aufgaben zuwerke gehen. Die rheinische Kirche macht sich stark für Lernen im Lebenslauf. Dabei ist die Erwachsenenbildung ein wichtiger Baustein. Weil Bildung für alle ein Grundanliegen der Reformation ist.

Die Einführung von Dr. Dagmar Herbrecht als Landespfarrerin und als Geschäftsführerin des eeb Nordrhein findet im Gottesdienst am 16. Feburar in Düsseldorf statt.

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ekir.de / neu, Foto: Markus J. Feger / 15.02.2018


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