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Friedensdienst: Die Perspektive wechseln und dem Frieden dienen

Einsatz in der Küche: Thomás Källsten arbeitet Hand in Hand mit den anderen Mitarbeitern im Hackhauser Hof - wie mit India Wegner.Einsatz in der Küche: Tomás Källsten arbeitet Hand in Hand mit den anderen Mitarbeitern im Hackhauser Hof - wie mit India Wegner.

Friedensdienst

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Im Hackhauser Hof läutet die Mittagsglocke. Es duftet nach Minestrone und Tomás Källsten hüpft frohen Schrittes die Holzstufen aus dem Dachgeschoss der Jugendbildungseinrichtung hinunter. Häufig übernimmt er selbst den Küchendienst und deckt den Tisch für die vielen Gäste und Mitarbeitenden im Haus. Heute haben andere das Essen vorbereitet. Denn der 19-Jährige begleitet in diesen Tagen ein Seminar für Jugendliche. „Jeder Tag hier ist anders, das ist das schönste an der Arbeit“, sagt der junge Argentinier, während er sich an den Tisch setzt.

Vor zwei Jahren war in seiner kleinen Gemeinde in Argentinien ein junger Mann aus Deutschland zu Gast. Der „Freiwillige Friedensdienst“ hatte ihn nach Gualeguaychu geführt. „Als ich dann selbst mit der Schule fertig war und nicht wusste, was ich studieren sollte, da musste ich wieder an den Freiwilligendienst denken“, erzählt Tomás Källsten. Zeit zur beruflichen Orientierung wünschte er sich, für ein Abenteuer, um andere Menschen, andere Kulturen und andere Gemeinden kennenzulernen, dem Frieden zu dienen.

Und Tomás Källsten hatte Glück: Denn pünktlich zu seinem Schulabschluss beschloss der Auslandsfreiwilligendienst der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) gemeinsam mit dem Bildungszentrum Hackhauser Hof und dem Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe, nicht mehr nur Jugendliche ins Ausland zu entsenden, sondern im Rahmen des neu aufgelegten Programms „InclusiveIncome“ auch Gäste zu empfangen. Der junge Argentinier bewarb sich und wurde genommen.

Fünf junge Freiwillige wurden in deutsche Stellen vermittelt

Seit Februar lebt und arbeitet er nun für ein Jahr in der Evangelischen Jugendbildungsstätte in Solingen. Und damit gehört er zur ersten Generation der „InclusiveIncome“-Freiwilligen in der rheinischen Kirche. Fünf junge Erwachsene hat der Auslandsfreiwilligendienst in diesem Jahr in deutsche Stellen vermittelt. Die Einsatzgebiete sind ebenso vielseitig wie die Möglichkeiten der Unterbringung.

„Ich helfe in der Haustechnik, in der Küche und bei Seminaren“, erzählt Tomás Källsten. Tischdecken, Räume und den Beamer vorbereiten, Reparaturen übernehmen und Stühle stellen. In den Seminaren unterstützt er die Kursleiter, wo er kann. Unter dem Dach hat Tomás Källsten ein gemütliches Apartment bezogen. In jeder freien Minute spielt er Gitarre, ist mit seinem Skateboard unterwegs und knüpft Kontakte. Das fällt Tomás Källsten nicht schwer, trotz der Sprachbarriere.

„Ich dachte, Deutschland sei eine andere Welt“, sagt er, während er sich die Minestrone schmecken lässt. Aber dann sei er den Menschen hier begegnet und habe große Gastfreundschaft erfahren. „Die Art, wie Menschen auf einen zugehen, ist anders als zu Hause“, sagt er. In seiner Heimat seien Begegnungen oft überschwänglich, die Menschen viel kommunikativer und doch blieben sie distanziert. „Hier entsteht der Kontakt langsam, aber dann gibt es viel Vertrauen“, hat er festgestellt.

Als es nach dem Mittagessen zurück ins Seminar geht, setzt er sich gut gelaunt an den Tisch mit den Mitarbeitern aus verschiedenen Jugendgruppen der Landeskirche. Sie wollen lernen, wie sie Spiele in der Jugendarbeit einsetzen und testen ein Rollenspiel rund um das Thema Reformation. „Gar nicht so leicht“, sagt der junge Argentinier, „so viele Worte“.

 Tomás Källsten will richtig gut Deutsch sprechen

Manchmal greift er verstohlen zum Handy, scannt eine Textkarte und lässt sie sich mit Google-Translate ins Spanische übersetzen. „Ich gehe jeden Mittwoch in den Sprachkurs in die Volkshochschule“, sagt er leise, während das Spiel in die nächste Runde geht, „ich will richtig gut Deutsch sprechen.“ Bis dahin hilft er sich mit kleinen Brücken und setzt auf die Unterstützung der Gastgeber. Die freuen sich über den Einsatz des jungen Argentiniers. „Es tut einer Jugendbildungsstätte gut, wenn hier junge Menschen arbeiten“, sagt Einrichtungsleiter Karl Hesse. „So bleiben wir auch jung.“

Hinter den Kulissen laufen währenddessen die Vorbereitungen für das nächste Jahr – auch mit den Partnern im Ausland. 2019 könnten schon doppelt so viele „InclusiveIncome“-Freiwillige ins Rheinland kommen, sagt Hannah Werner von der Arbeitsstelle für Auslandsfreiwilligendienste der EKiR. Sie ist überzeugt von dem Programm. „Er macht Gästen und Gastgebern einen Perspektivwechsel möglich“, sagt sie und wünscht sich, dass deutsche und ausländische Freiwilligendienstler ins Gespräch kommen.

Um das Programm auch in den nächsten Jahren umsetzen zu können, sucht die Arbeitsstelle nach Gastgebern im Raum der Kirche. Diakonische Einrichtungen und Gemeinden, die für ein Jahr eine honorierte Freiwilligenstelle anbieten können, sind ebenso angesprochen wie Privatleute, die eine Unterkunft zur Verfügung stellen. Informationen gibt es bei der Arbeitsstelle für Auslandsfreiwilligendienste unter Telefon 0212 22201-380.

 

ekir.de / Text und Foto: Theresa Demski / 30.05.2018


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