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Humboldt-Uni und Kirche erinnern an erste Theologie-Studentinnen

Berlin (epd). Mit einem Festakt an der Berliner Humboldt Universität ist am 7. November an die Zulassung von Frauen zum Studium vor 110 Jahren und an die erste Ordination von Frauen ins Pfarramt vor 75 Jahren erinnert worden. Dabei wurde die Theologin Aliyah El Mansy mit dem Hanna-Jursch-Preis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgezeichnet. Die Marburger Wissenschaftlerin erhielt den mit 5.000 Euro dotierten Preis für ihre Doktorarbeit zum Umgang christlicher Gemeinden mit gemischt-religiösen Ehen, wie die EKD mitteilte.

Die alle zwei Jahre vergebene Auszeichnung erinnert an die Jenaer Kirchenhistorikerin Hanna Jursch, die sich 1934 als erste Frau an einer deutschen Theologischen Fakultät habilitierte. Der Preis zeichnet herausragende wissenschaftlich-theologische Arbeiten aus Gender-Perspektive aus.

Universitätspräsidentin Sabine Kunst erinnerte in ihrem Grußwort unter anderem an die erste Frau, die sich 1908 an der damaligen Friedrich-Wilhelms-Universität als Studentin einschrieb. Agnes Harnack studierte Germanistik, Philosophie und Anglistik und schloss 1912 mit einer Promotion ab. Im Gegensatz zu früher seien Studentinnen inzwischen an der Hochschule in der Mehrzahl, sagte Kunst. Dies gelte allerdings noch nicht für die Frauenquote bei den Professuren.

„Unsere Kirche hat es sich zum Ziel gesetzt, Frauen auf allen Ebenen zu fördern“

Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge würdigte den Mut und die Beharrlichkeit der Theologinnen, die im vergangenen Jahrhundert Widerstände überwunden und sich auf den „langen Weg zur Zulassung von Frauen zum vollen Pfarramt“ gemacht haben. „Unsere Kirche hat es sich zum Ziel gesetzt, Frauen auf allen Ebenen zu fördern, damit Männer und Frauen gleichberechtigt und gleichermaßen unsere Kirche repräsentieren und gestalten“, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz laut Redemanuskript.

Nach der Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium in Preußen 1908 dauerte es laut Dröge weitere zwölf Jahre, bis Theologinnen einen regulären Studienabschluss machen durften. Bis 1919 war demnach nur die Promotion möglich. 1920 legte Ilse Kersten als erste Theologin ein Fakultätsexamen ab, betonte Dröge. Danach habe es - bis auf wenige Ausnahmen im Zweiten Weltkrieg - weitere Jahrzehnte gedauert, bis Frauen ins volle Pfarramt ordiniert wurden. „Die volle Gleichstellung von Männern und Frauen beschloss unsere Kirche erst 1974“, sagte der Berliner Bischof weiter.

Nachwuchspreise aus dem Bereich Bibelexegese aus der Sicht von Frauen

Der Dekan der Theologischen Fakultät an der Humboldt Universität, Christoph Markschies, bemängelte mit Blick auf die Gleichstellung von Frauen gegenüber Männern selbstkritisch, sein Fachbereich habe bei der „Aufarbeitung seiner Geschichte im schwierigen 20. Jahrhundert“   Nachholbedarf. Zu den Frauen, die in Berlin studiert, das Examen abgelegt und promoviert haben, gebe es im Vergleich etwa zu den Hochschulen in Göttingen und Marburg „kaum eine Zeile aus der Feder von Mitgliedern dieser Fakultät“. Stattdessen gebe es an der Berliner Fakultät „nur das klassische Gedächtnis der Männer, Heldengeschichten von Schleiermacher bis Bonhoeffer“ und einige Worte über dunkle Flecken vor und nach 1945. Die Geschichtsschreibung seiner Fakultät, sagte Markschies, sei bislang dem klassischen Narrativ gefolgt, das der „nicht unumstrittene“  Historiker Heinrich von Treitschke mit den Worten „Männer machen Geschichte“ umschrieben habe.

Neben der Auszeichnung für El Mansy vergab die EKD zwei Hanna-Jursch-Nachwuchspreise an Friederike Luise Arnold und Dorothee Charlotte Heise für Seminararbeiten aus dem Bereich Bibelexegese aus der Sicht von Frauen.

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