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KEK-Vollversammlung: Zukunft für Europa suchen

Delegierte, Beratende, Stewards und Staff, Jugendliche und Gäste der KEK-Vollversammlung 2018.Kirchen-Familie: Delegierte, Beratende, Stewards und Staff, Jugendliche und Gäste der Vollversammlung 2018 der Konferenz Europäischer Kirchen.

KEK-Vollversammlung

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Populismus, Nationalismus, Brexit. Die KEK-Vollversammlung 2018 war ein „Kontrapunkt“ im Blick auf die Zukunft Europas, sagt Landeskirchenrat Markus Schaefer, stellvertretender Leiter der Abteilung Theologie und Ökumene im Düsseldorfer Landeskirchenamt. Unter dem biblischen Motto „Ihr werdet meine Zeugen sein“ tagten in Novi Sad mehr als 400 Delegierte, Berater, Stewards, Jugendliche, Mitarbeitende und Ehrengäste.

Die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber, hat eine Entfremdung von der EU beklagt. "Für die Menschen heute ist ein Leben in Frieden so selbstverständlich geworden, dass Europa als Friedensprojekt keine Strahlkraft mehr begründen kann", sagte Bosse-Huber in Novi Sad. Paradoxerweise sei ein Hauptgrund für die bei manchen Menschen anzutreffende Entfremdung von der EU also gerade deren großer Erfolg.

Unübersehbare Risse

Die Risse, die durch Europa gingen, seien "unübersehbar", sagte Bosse-Huber, die ehemalige rheinische Vizepräses, bei einer Diskussion zur Zukunft Europas mit dem anglikanischen Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, und dem Metropoliten Emmanuel von Frankreich als Vertreter der orthodoxen Kirche.

Diese Risse zeigten sich nicht nur in Phänomenen wie dem Brexit und dem Streit um EU-Reformen, sondern auch in Populismus und Nationalismus "an fast jedem Ort in Europa". Zugleich hob Bosse-Huber das große politische und ökonomische Potenzial der Europäischen Union hervor, Verantwortung zum Beispiel für Frieden und Menschenrechte zu übernehmen.

Fragile Phase

"Europa ist nicht in Gefahr, zu versinken", urteilte Welby. Es befinde sich aber, wie andere Weltregionen, in einer fragilen Phase. Das Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltkirche verglich die Situation mit den kirchlichen Werten wie Liebe, Demut und Gastfreundschaft. Dies klinge "harmlos", stehe tatsächlich aber in direktem Kontrast zu vielem, was heute in Europa vor sich gehe. Auch Welby bezog sich auf die Populisten und deren Ruf nach Mauern und Abgrenzung.

Metropolit Emmanuel bezog sich auf die prägende Rolle der Menschenrechte für Europa. Er kritisierte in diesem Zusammenhang, dass "der Westen den Akzent zu sehr auf die individuellen Rechte" gelegt habe. Dies habe zu einer falschen Gleichsetzung von Menschenrechten und Individualismus auf Kosten von sozialen Werten geführt, urteilte der Vertreter der orthodoxen Kirche. 

Friedenszeugnis der Kirchen macht den Unterschied

Die Vollversammlung hatte u. a. auch zu wählen. Zu ihrem neuen Präsidenten hat sie Christian Krieger bestimmt, reformierter Pastor aus dem elsässischen Straßburg. Mit der Neuwahl endet auch die Amtszeit der früheren rheinischen Landeskirchenrätin Christine Busch, die für die EKD im KEK-Vorstand mitgearbeitet hat. Die Theologin blickt auf eine "sehr konstruktive Vollversammlung" zurück.

Die Versammlung zeige klar, dass die kirchliche Solidarität über alle Grenzen hinweg funktioniert. "In einem divergierenden Europa mit 40 Ländern gelingt es den Kirchen, Gastfeundschaft zu praktizieren, für Gerechtigkeit einzutreten, Hoffnung auszustrahlen. Es ist das Friedenszeugnis der Kirchen, das einen Unterschied macht."

Die KEK vereint außer der römisch-katholischen Kirche alle großen christlichen Gemeinschaften in Europa: Protestanten, Orthodoxe, Anglikaner und Altkatholiken. Die alle fünf Jahre stattfindende Vollversammlung dient der ökumenischen Annäherung der Mitglieder und der Diskussion gesellschaftlicher Fragen.

 

ekir.de / epd, neu; Foto: Albin Hillert/CEC / 06.06.2018


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