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Kinderarmut: „Kinder brauchen mehr als finanzielle Unterstützung“

Kinder sollen am kulturellen Leben teilhaben können. Deshalb hält Helga Siemens-Weibring freien Eintritt in Museen für eine gute Idee.Kinder sollen am kulturellen Leben teilhaben können. Deshalb hält Helga Siemens-Weibring freien Eintritt in Museen für eine gute Idee. Foto: JackF/Fotolia.com

Kinderarmut

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Helga Siemens Weibring ist Beauftragte für Sozialpolitik der Diakonie Rheinland-Westfalen-LippeHelga Siemens Weibring ist Beauftragte für Sozialpolitik der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe

Nach der aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung droht Kindern Armut, wenn die Mutter keine Arbeit hat. Was muss getan werden?

Die Studie zeigt, dass die Einkommen eines Alleinverdieners häufig nicht ausreichen, um eine Familie zu ernähren. Die Arbeitsmöglichkeiten für Mütter müssen noch deutlich verbessert werden. Das bedeutet flexiblere Arbeitszeiten, ausreichend Kita-Plätze und bessere Möglichkeiten für Mütter, nach der Geburt eines Kindes wieder in den Job einsteigen zu können.

Was halten Sie von dem Vorschlag, Hilfen für Kinder in einem Teilhabegeld zu bündeln?

Das Kindergeld muss vernünftig aufgestockt werden und die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets müssten einfacher zu bekommen sein. Auch müssen die Leistungen aus den unterschiedlichen Töpfen wirklich bei den Kindern und Familien ankommen. Wenn ein Teilhabegeld leistet, dass alles aus einer Hand kommt und nicht noch mehr bürokratische Systeme aufbaut werden, dann wäre es auf jeden Fall sinnvoll.
Die Evangelische Kirche im Rheinland hat in einem Beschluss eine Kindergrundsicherung gefordert: Wir brauchen eine Grundsicherung, damit nicht ständig unterschiedliche Anträge nötig werden. Die unterschiedlichen Systeme überfordern Familien. Die bisherigen Hilfen sind noch zu schwierig abzufordern. Da gibt es einfach zu viele bürokratische Hürden.

Was ist neben einer besseren finanziellen Unterstützung nötig, um Stigmatisierung und Ausgeschlossensein von ärmeren Kindern zu verhindern?

Kinder brauchen nicht nur Unterstützung in finanzieller Hinsicht, sondern auch dafür, am öffentlichen und kulturellen Leben teilnehmen zu können. Alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von der finanziellen Situation der Familie, sollten zum Beispiel freien Eintritt in Museen oder einmal im Monat einen freien Theaterbesuch erhalten. So würde auch eine Stigmatisierung vermieden. In Frankreich kommt beispielsweise jedes Kind umsonst in ein Museum. Damit eine Familie nicht für jede Aktivität einzeln Anträge stellen muss, sollten Museen, Theater und Sportvereine so gefördert werden, dass sie allen Kindern offenstehen.

 

ekir.de / epd-Gespräch: Holger Spierig, Foto: JackF/Fotolia.com / 02.07.2018


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