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Kirchliche Anlaufstelle für Flüchtlinge in Marokko: Jugendlichen eine Perspektive geben

Kirchliche Anlaufstelle für Flüchtlinge in Marokko

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Darin engagieren sich der Kirchenkreis Jülich, der Rheinische Verband für Kindertagesstätten, die Evangelische Kirche im Rheinland und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Rund 104.000 Euro fließen in die Arbeit. Wie Sannig weiter dem Evangelichen Pressedienst (epd)  erklärte, hilft das Projekt unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die an der EU-Außengrenze in Marokko auf ihrem Weg nach Europa nicht weiterkommen.

Zu dem angemieteten Appartement mit bis zu 16 Schlafplätzen seien bereits zwei weitere Appartements für Jugendliche in Ausbildung gekommen, berichtete der Superintendent, der die Anlaufstelle "La Maison Vivre L'Espoir" (Haus Hoffnung leben) kürzlich besucht hat. Das Projekt, das mit der evangelischen Kirche in Marokko, der Église Évangélique au Maroc (EEAM), und der katholischen Kirche realisiert werde, habe bereits mit rund 140 jungen Menschen Kontakt gehabt.

Junge Flüchtlinge besuchten die Anlaufstelle mit sehr unterschiedlichen Verweilzeiten und Anliegen, erläuterte der Jülicher Theologe. Manche suchten nur für wenige Tage Zuflucht, andere nutzten die Chance, Französisch zu lernen, die Schulbank zu drücken und für anderthalb Jahre in Marokko eine anerkannte duale Ausbildung zu absolvieren. Es gebe Kooperationen mit marokkanischen Betrieben in den Bereichen Kfz, Elektrik, Konditorei sowie Bau und Montage von Solarmodulen. Die Projektleitung hat der Aachener Friedenspreisträger, Theologe und Sozialarbeiter Azarias Zacarias Lumbela.

Die Familie verloren oder allein unterwegs

Anlass für die Einrichtung der Anlaufstelle sei ein Bericht der marokkanischen Partnerkirche EEAM über die vielen jungen Migranten aus Afrika gewesen, berichtete Sannig. Diese in Marokko "gestrandeten" Kinder hätten unterwegs ihre Familie verloren oder seien alleine auf dem Weg nach Europa.

Es sei besorgniserregend, dass kaum Mädchen das "Haus Hoffnung leben" erreichten, sagte der Superintendent. Viele gerieten vermutlich in die Hände von Menschenhändlern.

Zerrissenes Marokko

Der marokkanische Staat sei für das Projekt dankbar, berichtete Sannig. Die Anlaufstelle liege in der Nähe von Räumen des königlichen Palastes und erfahre auch Wertschätzung durch die dort stationierte Polizei. Dennoch sei Marokko zerrissen zwischen Integrationsbemühungen und der von der EU finanzierten Aufgabe, Menschen von den Grenzen zu den spanischen Exklaven fernzuhalten.

Der Kirchenkreis Jülich und die rheinische Kirche setzten ihr Engagement in Marokko fort, betonte Sannig. Dazu gehörten auch die Erstversorgung von Flüchtlingen, dreimonatige Kurzausbildungen und Stipendienprogramme für Studenten. In Planung sei ein Rückkehrerprogramm, sagte der Pfarrer. "Das ist der nächste Schritt."

 

epd / 22.10.2018


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