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Raiffeisenjahr: „Genauso verfahren wir“

Ekkehard Thiesler, Jahrgang 1965, ist Bankier und Wirtschaftswissenschaftler. Promoviert hat er über das Thema „Zukunftsfähigkeit von genossenschaftlichen Primärbanken in Deutschland“. Seit 2005 ist er Vorstandsvorsitzender der KD-Bank.Ekkehard Thiesler, Jahrgang 1965, ist Bankier und Wirtschaftswissenschaftler. Promoviert hat er über das Thema „Zukunftsfähigkeit von genossenschaftlichen Primärbanken in Deutschland“. Seit 2005 ist er Vorstandsvorsitzender der KD-Bank.

Raiffeisenjahr

Vorlesen

Wie wichtig ist Friedrich Wilhelm Raiffeisen für das Selbstverständnis der KD-Bank?

Sehr wichtig. Und zwar deswegen, weil die Gründerväter eine christliche Genossenschaftsbank ins Leben rufen wollten, die wie bei Raiffeisen nach dem Prinzip „Einer für alle, alle für einen“ funktioniert. Das bedeutete konkret: Wer Geld für einen guten Zweck brauchte, sollte es bekommen – nicht als Almosen, sondern als Darlehen oder Kredit. Und wer gerade etwas Geld übrig hatte, gab es an eine Geldsammelstelle, also die Bank, damit es für gute Zwecke verwendet werden konnte. Schon vor dem Ersten Weltkrieg kam die Idee auf, eine solche Bank zu gründen, die speziell für Kirche und Diakonie da ist. Anders als bei Aktiengesellschaften sollte diese genossenschaftlich organisierte Bank nicht dem Selbstzweck dienen, um möglichst hoch an der Börse gehandelt zu werden.

Was ist heute das Ziel?

Wir sehen uns als Genossenschaft als Mittel zum Zweck, um Gutes zu bewirken. Und das besteht für uns darin, beispielsweise Krankenhäuser oder Einrichtungen der Altenhilfe zu finanzieren, die bei anderen Banken teilweise auf einer schwarzen Liste stehen.

Weil es zu riskant ist, sie zu betreiben?

Teilweise, ja. Wir brauchen nur einen Blick auf die Krankenhausbranche zu werfen: Da schließen aktuell viele Häuser, gerade auf dem Land. Der Trend wird sich den nächsten Jahren fortsetzen. Wir haben in unserer Kundschaft aktuell 149 Krankenhäuser und achten natürlich darauf, dass sie wirtschaftlich aufgestellt sind. Dazu suchen wir – wenn nötig – gemeinsam nach einer Lösung, die beispielsweise darin bestehen kann, dass sich Einrichtungen zusammenschließen oder spezialisieren. Insgesamt haben wir rund 1,6 Milliarden Euro in die Bereiche Gesundheit, Lebensqualität im Alter, Hilfe, lebendiges Gemeindeleben, Bildung, bezahlbaren Wohnraum sowie den privaten Wohnungsbau investiert. Das ist unser Kerngeschäft.

Im vergangenen Jahr hat die KD-Bank Überschüsse in Höhe von 7,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Was haben Sie mit dem Geld gemacht?

Der Großteil ist in Rücklagen geflossen. Sie dienen dazu, unsere Eigenkapitalquote zu erhöhen, wozu wir gesetzlich verpflichtet sind – als Reaktion auf die Finanzkrise vor gut zehn Jahren. Außerdem zahlen wir jedes Jahr eine Dividende an unsere Mitglieder. Die lag zuletzt bei ungefähr einer Million Euro. Das ist nicht viel, aber die Kunden sind dankbar, weil sie immerhin vier Prozent Rendite auf ihre Anteile bekommen.

Wie passt das zur Forderung von Raiffeisen, dass Gewinne und Überschüsse wohltätigen Zwecken und hilfsbedürftigen Menschen zugute kommen sollen?

Ich meine, und vielleicht ist das eine steile These, dass wir genauso verfahren. Wir zahlen die Dividenden ja zurück an Einrichtungen aus Kirche und Diakonie, in deren Haushalte die Gelder einfließen. Damit können sie ihren Auftrag erfüllen. Und dieser Auftrag von Kirche und Diakonie ist ganz klar auf Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit ausgerichtet.

Stammen denn alle Kunden, die Mitglied bei der genossenschaftlichen KD-Bank sind, aus dem Bereich Kirche und Diakonie?

Ja, genau. Unsere rund 4000 Mitglieder sind ausschließlich institutionelle Gruppen aus Kirche und Diakonie. Mit einer Ausnahme: Aufgrund des Genossenschaftsgesetzes sind Personen, die im Aufsichtsrat unserer Bank sitzen, dazu verpflichtet, ebenfalls Mitglieder zu werden. Aber das fällt aufgrund der vergleichsweise geringen Anzahl kaum ins Gewicht. Daneben haben wir als Bank natürlich auch Privatkunden. Manche von ihnen fragen: Warum kann ich kein Mitglied sein? Das lehnen wir aber ab, weil wir unseren Auftrag nicht verwässern wollen.

Bestünde denn eine Gefahr, dass das passiert?

Ja, weil wir als Genossenschaft basisdemokratisch organisiert sind. Ob Landeskirchen, Evangelische Kirche in Deutschland oder Kirchengemeinden vor Ort – bei unseren Generalversammlungen haben alle gleichberechtigt eine Stimme. Deswegen ist es wichtig, dass wir an einem Strang ziehen, wenn abgestimmt wird. Bei einer Aktiengesellschaft ist das ja ganz anders. Wer mehrheitlich Aktien besitzt, bestimmt den Kurs. Würden also alle 30.000 Privatkunden auch genossenschaftliche Mitglieder werden, hätten sie mehr Stimmanteile als unsere 7.000 institutionellen Kunden. Dann könnten die Privatkunden entscheiden, wo es langgeht.

Und das wäre schlimm?

Privatkunden haben andere Ansprüche an eine Bank – ob es um eine Baufinanzierung oder Lebensversicherungen geht. Die bieten wir natürlich auch zu guten Konditionen an. Die institutionellen Kunden legen Wert darauf, dass der kirchlich-diakonische Geldkreislauf funktioniert. Und mit diesem Zweck sind wir ja gegründet worden. Dieser evangelische Bezug zu helfen und die Gemeinschaft zu stärken, ist uns wichtig. Das wollen wir unter keinen Umständen aufgeben.

Welche Rolle spielen faire Geldanlagen für die KD-Bank?

Wir haben vor gut zehn Jahren einen Nachhaltigkeitsfilter eingeführt, der die gesamten Investitionen unserer Bank betrifft. Leitend sind dafür die Ziele des konziliaren Prozesses: Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden. Bei all unseren Geldanlagen achten wir darauf, dass dem Rechnung getragen wird, wobei ein komplexer Kriterienkatalog zugrunde liegt. Wir haben auch den sogenannten FairWorldFonds mit aufgelegt, der unter anderem Kleinkredite in Ländern der Entwicklungszusammenarbeit vergibt. Anfangs waren wir skeptisch, saßen zusammen und dachten: Wenn der Fonds irgendwann einmal ein Volumen von 100 Millionen Euro erreicht, wäre das super. Jetzt sind wir bei einer Milliarde Euro. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.


„Teilhabe und Teilnahme – Zukunftspotenziale der Genossenschaftsidee“ - unter diesem Titel steht der Evangelische Raiffeisenkongress anlässlich des 200. Geburtstags des Genossenschaftsgründers Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 – 1888). Dazu laden die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Akademie im Rheinland, das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD, das Seminar für Genossenschaftswesen der Universität Köln und die Stiftung Sozialer Protestantismus ein. Der Kongress findet am 18. und 19. Juni in Bonn statt. Anmeldungen willkommen.
Ekkehard Thiesler ist am 19. Juni 2018 zu Gast beim Kongress und beteiligt sich an der Podiumsdiskussion „Förder- und gemeinwohlorientierte Strategien von Genossenschaftsbanken – am Beispiel der VR-Bank Nordeifel und der KD-Bank“.

 

ekir.de / Thomas Becker, Foto: KD-Bank / 04.06.2018


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