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#unserSonntag ist uns #heilig: Gegen die Sonntagspläne der NRW-Regierung

Demo vor dem Düsseldorfer Landtag gegen die geplante Schmälerung des Sonntagsschutzes.Demo vor dem Düsseldorfer Landtag gegen die geplante Schmälerung des Sonntagsschutzes.

#unserSonntag ist uns #heilig

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Der Sonntagsschutz, im Grundgesetz verankert, droht weiter ausgehöhlt zu werden. Das ist der Grund des Protestes, zu dem die "Allianz für den freien Sonntag" eingeladen hat, engagiert dabei Mitarbeitende von Diakonie, Kirchenkreis Düsseldorf und Landeskirchenamt.

Konkret richtet die sich Demo auf dem Platz vor dem NRW-Landtag gegen die Absicht der nordrhein-westfälischen Landesregierung, im sogenannten Entfesselungspaket I die Zahl der jährlichen verkaufsoffenen Sonntage von bisher vier auf acht zu verdoppeln. Kirchen und Gewerkschaften wehren sich auch gegen die in dem „Paket“ angestrebte regelmäßige Ladenöffnungszeit an Samstagen bis Mitternacht.

Aus Sicht der Kirchen und Gewerkschaften ist das zusammengenommen eine Politik, die den Sonntag als Tag der Atempause, der seelischen Erbauung und der gemeinsamen Zeit in Familien und unter Freunden vermeintlich wirtschaftlichen Notwendigkeiten opfert. Bestens vertreten bei der Demo ist die kirchliche Mitmachaktion "#unserSonntag ist uns #heilig".

Einer der Demonstranten, ebenfalls für ekir.de danach gefragt, wie sein Lieblingssonntag aussieht: "Ich gehe sonntags morgens in den Gottesdienst, er ist glücklicherweise so spät, dass wir erstmal ausschlafen können." Um halb elf beginne besagter Gottesdienst.

#unserSonntag

Ein weiterer Teilnehmer, eines der Plakate "#unserSonntag" in Händen haltend, sagt über seinen Sonntag: "Ich sitze jede zweite Woche an der Orgel. Das ist mein Nebenamt. Und dann verbringe ich Zeit mit meiner Frau."

ist uns

"ist uns" heißt der Textbaustein, den eine Demonstrantin hochhält, sie erzählt von zuhause: "Der Sonntag ist für uns echt heilig. Wir sind beide voll berufstätig. Da wird samstags eingekauft und geputzt. Und den Sonntag verbringen wir dann komplett mit den Kindern."

#heilig

"heilig" - die Frau, die dieses Plakat in Händen hält, sagt über ihre Sonntage: "Ich habe gern Zeit für die Familie, ich wandere gern. Das ist alles nicht originell, aber ich mag das."

Der Sonntag ist mir heilig: Vizepräses Christoph Pistorius.Der Sonntag ist mir heilig: Vizepräses Christoph Pistorius.

Leibchen mit dem Slogan "#unserSonntag ist uns #heilig". Fahnen von Kirchenkreis, Diakonie und Verdi. Über Mikro verlesen Sprecher der beteiligten Organisationen die gemeinsame Erklärung, die an den zuständigen Minister gehen soll. Ihr Titel: "Für den Schutz des Sonntags - um der Menschen willen" 

Dann ein paar Reden, der rheinische Vizepräses Christoph Pistorius findet persönliche Worte: Unter der Woche ist er dienstlich viel unterwegs, kommt oft erst abends spät nach Hause. Da sei der Sonntag der einzige Tag, an dem er Zeit mit seiner Frau verbringt, wo Besuch kommt - von den erwachsenen Töchtern mit ihren Familien, von Freunden.

Weiter sagt der Vizepräses dort in der sonnigen Kälte gegenüber des Landtags: "Der Sonntag ist mir heilig, weil er frei ist, weil er mich wohltuend erfahren lässt, dass es im Leben noch mehr gibt als Arbeit." Weil dann Zeit ist, mit anderen Christinnen und Christen Gottesdienst zu feiern. Weil dann Zeit ist zum Durchatmen.

Schärfer ergänzt der Theologe, anspielend auf den Titel des Gesetzesvorhabens: "Sonn- und Feiertagsschutz ist keine Last, von der ich befreit oder unsere Gesellschaft entfesselt werden muss."

Und dann ist Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart bei den rund 200 Demonstranten: "Herzlichen Dank für die Gelegenheit zum Austausch", sagt er freundlich, nimmt die Erklärung in Empfang und verteidigt den Gesetzesplan: Sonntage würden auch künftig ganz überwiegend für Muße frei gelassen. Online-Handel sei rund um die Uhr möglich, so sei nun mal die Lebenswirklichkeit, da müsse man was für den Einzelhandel tun.

Drinnen, im Landtag, muss das "Entfesselungspaket" demnächst noch von den Abgeordneten diskutiert werden. Hier und heute draußen vor dem Landtag geht die Debatte direkt noch weiter, aber bevor die ersten gehen, gibt der Sprecher der "Allianz für den freien Sonntag", Winfried Gather, allen diesen Wunsch mit: "Einen schönen nächsten Sonntag!"

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ekir.de / neu / 01.03.2018


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