.st0{fill:#FFFFFF;}

Gedanken zum Tag

Vergissmeinnicht

​Gestern wurde beschlossen, auch die Blumenläden im Einzelhandel zu schließen. Schade, wo es gerade in diesen Zeiten so wichtig wäre, jemanden ein Blümchen vor die Tür zu stellen, um zu zeigen: „Ich vergesse dich nicht, auch wenn wir jetzt alle voneinander Abstand halten müssen.“ Und wie schön wäre es, auch sich selbst mit Blumen zu beschenken, um sich etwas Gutes zu Hause zu gönnen, um Farbe in den ans Haus gebundenen grauen Alltag zu bringen.

Eine Blume mit Symbol wäre in diesen Zeiten das zarte kleine Vergissmeinnicht. - An wen haben Sie diese Worte schon einmal gerichtet: Bitte, vergiss mich nicht. An einen guten Freund? An die Tochter oder den Sohn? An die Partnerin? An jemanden, der in Krisensituationen für Sie da war?

Vergissmeinnicht - Da geht es um alles oder nichts. Vergessen heißt: aus den Augen – aus dem Sinn. Völlig ausgelöscht. „Den kannst du getrost vergessen“ – sagen wir manchmal oder: „das kannst du doch vergessen“. Also weg damit. Vergiss es einfach. Das ist schon hart – und wenn wir ehrlich sind, können wir Menschen und Erlebnisse nicht vergessen. Jeder Mensch, der uns etwas bedeutet, schreibt sich in unser Gedächtnis ein – ob wir wollen oder nicht; ob wir vergessen wollen oder nicht. Bei Menschen, mit denen wir uns schwer tun, könnten wir nur versuchen, dass er oder sie nicht mehr so viel Raum einnimmt, soviel Macht ausübt, aber ganz vergessen können wir auch sie nicht. Und das ist auch gut so, denn alles, was wir erleben, gehört zu unserem Leben dazu; wir können nicht vergessen, wohl aber vergeben oder uns für etwas einsetzen oder unserem Leben eine neue Richtung geben. Vergessen kann nur der, der Menschen oder Dinge wirklich vergisst, weil er dement wird und sein Gehirn wichtige Funktionen verloren hat. Oder weil sie vieles oberflächlich erledigt und vieles nicht wichtig ist. Oder weil wir im Laufe der Jahre doch vieles Alltägliches vergessen.

Das kleine Blümchen „Vergissmeinnicht“ lädt uns ein, nachzudenken über Menschen, die vielleicht schon längere Zeit in Vergessenheit geraten sind, die sich über einen Anruf oder einen Brief von uns freuen würden. Besuchen können wir sie in der Corona-Krise leider nicht, aber wenn wir unsere Zeit zu Hause dennoch mit anderen teilen möchten, dürfen wir das Telefon oder Handy zur Hand nehmen oder das Briefpapier oder den Laptop. Es gibt so viele Möglichkeiten, um gerade jetzt zu zeigen: Ich vergesse dich nicht.

 „Vergissmeinnicht“ – könnte auch ein Gebet sein. Gott, bitte vergiss mich nicht. Sieh meine Ohnmacht, meine Not, meine Einsamkeit. eile mir zu Hilfe. Im Buch des Propheten Jesaja spricht Gott seinem Volk zu: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Ich habe dich bereitet, ich vergesse dich nicht.

​Autor: Andrea Döhrer

>